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Köln

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Parcels

EVENT Es gibt vieles, wofür man die Parcels schon hielt: Manchmal etwa für eine französische Band: Les Par-Sells. Gern auch mal für einen Haufen australischer Strand-Dudes. Oder diese Typen, die direkt aus den Siebzigern in die Gegenwart geschickt wurden. Was die Parcels wirklich sind, vor allem, wenn man nun über ihr Debütalbum spricht, ist aber vor allem eines: Ein schwer zu definierender Superlativ.

Was wir gesichert wissen ist, dass die Bandmitglieder blutjung sind. 21, um genau zu sein. Jules Crommelin ist an der Gitarre, Noah Hill am Bass, Louis Swain und Patrick Hetherington spielen Keyboards und Synths und Anatole Serret Drums. Singen tun sie alle zusammen und in perfekter Harmonie. Wir können außerdem bestätigen, dass die Parcels in der Tat Australier sind – dabei aber deutlich weniger Strand-affin als etwa die Beach Boys – und dass sie mit ungewöhnlicher Gewissenhaftigkeit an die Sache heran gehen, von der Produktion ihrer Musik bis hin zu den visuellen Aspekten ihres Auftretens.

Gegründet aus den Überbleibseln einiger High-School-Bands (deren Stile von Hillbilly Folk über Metal reichten, darunter nicht zuletzt auch eine Gruppe mit dem schönen Namen ‘Potato Potato‘), beschwor die sonderbare Clique ihre gegenseitige Hingabe vollends mit dem so enthusiastisch-naiven wie mittellos angetretenen Umzug nach Berlin im Winter 2015. Hier schlief Anatole über Säcken voll Kohle und hier lernte Louie mit seiner Mutter am Telefon, wie man eine Wohnung sauber hält, während eine andere Unterkunft fast völlig zu Bruch ging und die Kleidung immer mehr am Körper schlackerte.

Bei aller Entbehrung käme auf die Frage, ob man alles heute noch mal genauso machen würde ein allseitiges: Ja! “We weren't thinking much when we moved to Europe, we just finished high-school and hit the road” versucht die Band ihr unbesonnenes Manöver herunterzuspielen. “But what happened after was the start of everything for us, we can't imagine our lives if we hadn't boarded that plane.”

Nachdem die Fünf tatsächlich quasi unmittelbar nach der Landung auf dem Kontinent einen Plattenvertrag vom französischen Label Kitsuné in die Hand gedrückt bekamen, fühlten sich die Parcels erstmals wie eine echte Band. Zusammen mit ihrem Manager kam das Gefühl, jetzt auch als Musiker im weiteren Sinne des Wortes aktiv sein zu können und ihre erste Zusammenarbeit mit der künstlerischen Außenwelt erfolgte bald schon mit niemand geringerem als Daft Punk.

“We were going to start making electronic music. We had all left school and decided to go to Europe. After a year overseas, it became less about electronic music and more about us five being serious in a band for the first time, and that really removed any boundaries we’d set up for ourselves.”

Bisher hat die Welt zwei Parcels EPs, „Clockscared“ und „Hideout“ sowie die Single „Overnight“ zu hören bekommen, also relativ wenig für eine Band die bisweilen vor 15.000 Leuten spielt. Da ist etwas Spezielles an dieser Band, etwas, das sich fast nach Big Band anfühlt – in einem nostalgischen, romantischen Sinne. Und viele, die die Parcels zum ersten Mal auf der Bühne sehen, haben das Gefühl, etwas ganz Eigenes entdeckt zu haben. Mit all diesen Erfahrungen und Eindrücken im Hintergrund begann die Band vor einem Jahr, ihr Debütalbum zu schreiben.

“We wanted to throw in everything we’ve ever learnt from making music together, from previous bands, and to form a sound that we could call ours’’. Es braucht zwei, drei Male, bevor sich beim Hören des Albums der Vorhang aus groovenden Licks und erhebenden Disco-Sounds hebt und dahinter die Komplexität der Arrangements, das Sammelsurium all der Einflüsse, die dunkleren, textlichen Anstriche und ein Production Value, das man so zuletzt vor vielleicht drei Jahrzehnten gewohnt war, sichtbar werden. Ja, man kann hier und da durchaus hören, dass die Band mal ein paar Tage mit Daft Punk in einem Raum saß. Aber es gibt eben auch Tracks wie „Exotica“. Und beim sechsten Anhören entdeckt man vielleicht sogar etwas Dubstep auf dem Album.

Da ist der klassische Livesound in „IknowhowIfeel“ oder „Lightenup“. Da ist die modernere, elektronischere Produktion von „Tape“ oder „Closetowhy“. Anklänge von Tropicana und Sixties-Sounds finden sich in „Yourfault“ und „Exotica“, progressive Aspekte in „Everyroad“ und „Tape“. Diese und hundert andere Einflüsse lassen sich beim wiederholten Hören ausmachen. ''That felt natural, it was fun. Every time we found an influence or a sound to utilise we had moved on by the time we reached the next song. So the challenge then was to bring it together'.

Die Band, die sich stets zwischen den Polen moderner Mentalität und Old-School-Traditionen bewegt, wollte eine Album ohne stilistische Grenzen aufnehmen, das sich dabei trotzdem nach einem großen Ganzen anfühlt. Genau wie bei den klassischen Alben der Popgeschichte, die die Parcels selbst verehren. Der rote Faden, an dem sie sich dabei orientierten wurde zugleich ihre Mission: „...mainly it all came together through our desire to create meaningful pop music.“

Und diese Suche nach Popmusik, die wirklich etwas bedeuten möchte, wurde der Hauptantrieb für die Parcels, die wenige Jahre zuvor bei derlei Begriffen wahrscheinlich noch ein Schaudern durchlaufen hätte. “Disregarding the modern taboo of the word, pop music for us is something which really makes you feel. It's pure emotion. We're coming at this from a vaguely musical background and with varied influences, but in the end, we’re just trying to unlock the raw feeling of each track. Something that everybody can feel.”

Parcels entschieden sich schließlich, das komplette Album selbst zu produzieren, ganz in ihrem bandeigenen Stil, und sich dafür trotz minimaler Erfahrung auf diesem Feld der monumentalen Aufgabe zu stellen. “Producing the album was very important to us. We want to feel it’s ours, and we wanted to grow and learn from our mistakes. We are very proud to say though, it’s the first time we are happy with our result.”

Und mit diesem Gefühl stehen sie nicht allein da, denn die deutliche Ahnung beschleicht einen, dass eine Band wie die Parcels, genau wie ihre Garderobe, nur alle 30 Jahre mal auf der Bildfläche erscheint.

Parcels – “Parcels” erscheint am 12. Oktober 2018.



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